Unser Forderungspapier zur Kommunalwahl 2026


Präambel

Der Stadtschüler*innenrat der Landeshauptstadt Wiesbaden ist die offizielle Interessenvertretung der rund 35.000 Schülerinnen und Schüler Wiesbadens gegenüber schul- und bildungspolitischen Institutionen, der Öffentlichkeit sowie Parteien und Verbänden.

Als demokratisch gewählte Interessenvertretung setzt sich der Stadtschüler*innenrat dafür ein, die Stimme der Schülerinnen und Schüler wirksam und nachhaltig in politische Entscheidungsprozesse einzubringen. Dabei verstehen wir uns nicht nur als Sprachrohr der Schülerinnen und Schüler, sondern auch als aktiven Mitgestalter einer zukunftsorientierten Bildungspolitik in Wiesbaden. Dieses Forderungspapier bündelt zentrale Anliegen der Schülerinnen und Schüler und formuliert konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der schulischen Rahmenbedingungen sowie zur Stärkung von Chancengleichheit, Gesundheit und Teilhabe.

Im Zuge der Kommunalwahl am 15. März 2026 haben wir dieses Forderungspapier erarbeitet, das die Ergebnisse eines breiten Austauschprozesses innerhalb der Schülerinnen und Schüler Wiesbadens widerspiegelt. Am 14. April 2026 haben wir es der Öffentlichkeit vorgestellt sowie den Parteien und dem städtischen Schulamt offiziell überreicht. Wir verstehen dieses Papier als Grundlage für einen konstruktiven Dialog und als Einladung zur gemeinsamen Zusammenarbeit.

Wir danken allen Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit, die sich die Zeit nehmen, sich mit den hier dargestellten Anliegen ernsthaft auseinanderzusetzen, und die bereit sind, gemeinsam mit uns auf die Umsetzung dieser Forderungen hinzuwirken. Bildung ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und wir freuen uns darauf, unseren Teil dazu beizutragen.

Stadtschüler*innenrat der Landeshauptstadt Wiesbaden


Teil des Schulausschusses

Der Stadtschülerrat der Landeshauptstadt Wiesbaden vertritt die Interessen von über 32.000 Schülerinnen und Schülern.
Nach § 120 ff. des Hessischen Schulgesetzes gesetzlich sind wir die anerkannte Interessenvertretung aller Schülerinnen und Schüler in Wiesbaden und ein wichtiger Teil der demokratischen Mitbestimmung junger Menschen und übernehmen Verantwortung für die schulpolitische Meinungsbildung sowie die Vertretung von Schülerinnen und Schülern auf kommunaler Ebene.
Unsere Arbeit konzentriert sich dabei vollständig auf schulische und schulnahe Themen.

Trotz dieser gesetzlichen Legitimation und unserer unmittelbaren Betroffenheit von schulpolitischen Entscheidungen ist der Stadtschülerrat bislang Teil des Ausschusses für Schule, Kultur und Städtepartnerschaften vertreten. Dies ist besonders widersprüchlich, da die dort getroffenen Entscheidungen den schulischen Alltag unmittelbar betreffen. Während etwa das Jugendparlament ein deutlich breiteres jugendpolitisches Themenspektrum abdeckt, bringt der Stadtschülerrat eine Perspektive ausschließlich aus dem Bereich Schule ein.

Entscheidungen über Schule und schulnahe kulturelle Angebote werden somit ohne die Stimmen derjenigen getroffen, die täglich von ihnen betroffen sind und sich aktiv für Verbesserungen im schulischen Bereich einsetzen.

Vor diesem Hintergrund fordert die Schülerschaft Wiesbadens:
Zwei Sitze mit Anhörungsrecht und Antragsrecht für den Stadtschülerrat Wiesbaden im Ausschuss für Schule, Kultur und Städtepartnerschaften.


SV Budget

Eine wirksame Mitbestimmung der Schülerinnen und Schüler setzt eine verlässliche finanzielle Ausstattung der Schülervertretungen voraus.
Ein festes Budget ermöglicht es, Projekte, Veranstaltungen und Beteiligungsangebote eigenständig zu planen und umzusetzen, ohne auf externe Genehmigungen angewiesen zu sein.
Finanzielle Handlungsfähigkeit ist daher eine Grundvoraussetzung für gelebte Mitbestimmung und ein aktives Schulleben.

Vor diesem Hintergrund fordert die Schülerschaft Wiesbadens:
Die Einführung eines festen Budgets für die Schülervertretung jeder Schule von einem Euro pro Schüler bzw. Schülerin.


Psychologische Unterstützung

Eine flächendeckende psychologische Unterstützung an allen Wiesbadener Schulen ist unverzichtbar. Ausreichend Schulsozialarbeiterinnen und Schulsozialarbeiter müssen zur Verfügung stehen, um Schülerinnen und Schüler bei persönlichen, schulischen und familiären Herausforderungen kompetent und verlässlich zu begleiten. Präventionsarbeit, individuelle Beratung und akute Unterstützung dürfen kein Zusatzangebot sein, sondern müssen fest im schulischen Alltag verankert sein.
Denn mentale Gesundheit ist keine Nebensache, sie ist eine Voraussetzung für erfolgreiches Lernen.

Vor diesem Hintergrund fordert die Schülerschaft Wiesbadens:
Intensivere psychologische Unterstützung durch Schulsozialarbeiter und Schulsozialarbeiterinnen an allen Wiesbadener Schulen.


Menstruationsprodukte an allen Schulen

Die Bereitstellung kostenloser Menstruationsprodukte in allen Mädchen- und Frauentoiletten ist ein wichtiger Schritt hin zu mehr Chancengleichheit und sozialer Gerechtigkeit.
Menstruation ist ein natürlicher und unvermeidbarer Teil des Lebens von Schülerinnen, dennoch ist der Zugang zu entsprechenden Hygieneprodukten nicht immer selbstverständlich.

Vor diesem Hintergrund fordert die Schülerschaft Wiesbadens:
In allen Mädchen- und Frauentoiletten der Schulen sollen Sanitärspender mit kostenlosen Menstruationsprodukten installiert und regelmäßig aufgefüllt werden.


Kostenlose Trinkwasserversorgung an allen Schulen

Kostenlose Trinkwasserversorgung muss an allen Wiesbadener Schulen selbstverständlich sein.
Schülerinnen und Schüler verbringen einen Großteil ihres Tages in der Schule und sind auf eine ausreichende Flüssigkeitsversorgung angewiesen, die ihre Gesundheit, Konzentration und ihr Wohlbefinden direkt beeinflusst. Trinkwasseranlagen sind dabei eine einfache, nachhaltige und kostengünstige Lösung, die zugleich den Verbrauch von Einwegplastikflaschen reduziert.
Angesichts immer heißerer Sommer ist ihre flächendeckende Einführung an allen Wiesbadener Schulen längst überfällig.

Vor diesem Hintergrund fordert die Schülerschaft Wiesbadens:
Mindestens eine Trinkwasseranlage pro 500 Schülerinnen und Schüler an jeder Schule.


Lehrraum statt Leerstand

Viele Schülerinnen und Schüler benötigen ruhige Orte zum Lernen und Arbeiten, die über die Schule hinaus zugänglich sind. Öffentliche Bibliotheken sind hierfür zwar wichtig, stoßen jedoch insbesondere nach der Schule häufig an ihre Kapazitätsgrenzen.
Gleichzeitig stehen in Wiesbaden zahlreiche Gebäude und Räume leer, wie etwa der ehemalige Kaufhof. Dieser Leerstand soll genutzt werden, um zusätzliche Lern- und Aufenthaltsräume für Schülerinnen und Schüler zu schaffen.
Durch die regelmäßige Präsenz von Nachhilfekräften könnten Schülerinnen und Schüler dort gezielt unterstützt werden, individuelle Fragen klären und Lernlücken abbauen, ohne dabei finanziell belastet zu werden.
Ergänzend können ehrenamtlich engagierte Personen, etwa Studierende, dazu beitragen, ein möglichst niedrigschwelliges und breites Förderangebot zu ermöglichen.

Vor diesem Hintergrund fordert die Schülerschaft Wiesbadens:
Der Leerstand soll genutzt werden, um Schülerinnen und Schülern zugängliche Aufenthalts-, Lern- und Arbeitsräume zur Verfügung zu stellen. In diesen Räumen sollen dauerhaft Nachhilfekräfte präsent sein, die gezielt beim Lernen unterstützen, auch auf ehrenamtlicher Basis, etwa durch Studierende.


Bussituation

Viele Schülerinnen und Schüler sind täglich mit erheblichen Problemen im öffentlichen Nahverkehr konfrontiert. Verspätungen und überfüllte Busse sind auf zahlreichen Linien, darunter die Linien 4, 5, 14, 17, 22, 24, 27, 33, 34, 37 und 207, längst keine Ausnahme mehr, sondern Alltag.
Zu Stoßzeiten sind die Busse so überlastet, dass ein geordnetes Ein- und Aussteigen kaum möglich ist, was Verspätungen weiter verstärkt. Nicht selten müssen Schülerinnen und Schüler mehrere Busse hintereinander verpassen, weil die Kapazitäten schlicht nicht ausreichen. Das betrifft viele Schulen gleichzeitig und macht den Schulweg zunehmend unzuverlässig.
Stress und Unsicherheit sind die Folge, da der pünktliche Unterrichtsbeginn täglich zum Glücksspiel wird. Erschwerend kommt hinzu, dass Entschuldigungsregelungen bei verkehrsbedingten Verspätungen kaum greifen und Möglichkeiten für kurzfristigen Online-Unterricht stark eingeschränkt sind.
Viele Schülerinnen und Schüler sehen sich dadurch gezwungen, deutlich frühere Verbindungen zu wählen oder aufwendig alternative Wege zu organisieren.

Vor diesem Hintergrund fordert die Schülerschaft Wiesbadens:

  1. Ausbau und Verstärkung der Buslinien mit hoher Auslastung, insbesondere auf den Linien 4, 5, 14, 17, 22, 24, 27, 33, 34, 37 und 207.
  2. Schnelle und transparente Information bei Störungen, Verspätungen oder Streiks.
  3. Ausbau der Möglichkeiten von Online-Unterricht und klare Regelungen für Entschuldigungen bei unvorhersehbaren Verspätungen oder Ausfällen.

Ausstattung

Angesichts zunehmender Hitzeperioden ist ein wirksamer Hitzeschutz an allen Wiesbadener Schulen unerlässlich. Dazu zählen bauliche Maßnahmen wie Verschattung und funktionierende Lüftungssysteme sowie eine verstärkte Begrünung von Schulhöfen und Gebäuden. Mehr Grünflächen steigern die Aufenthaltsqualität, fördern das Wohlbefinden der Schülerinnen und Schüler und schaffen bessere Voraussetzungen für konzentriertes Lernen. Schulgebäude müssen sowohl im Sommer als auch im Winter ein angenehmes Raumklima gewährleisten. Darüber hinaus sind saubere, funktionsfähige und regelmäßig gewartete sanitäre Anlagen selbstverständlich, ebenso wie die flächendeckende Bereitstellung von Hygieneprodukten.

Die Ausstattung der Schulen muss modernisiert und dauerhaft instand gehalten werden. Veraltete oder beschädigte Möbel, abgeblätterte Wände und fehlende Materialien in Fachräumen beeinträchtigen den Unterricht und müssen behoben werden. Eine zeitgemäße, sichere und funktionale Lernumgebung ist Grundlage für effektives Lernen und kreative Entfaltung.

Ebenso müssen Sportstätten dringend modernisiert und saniert werden. An vielen Schulen fehlen geeignete Anlagen oder befinden sich in einem unzureichenden Zustand, der einen ordentlichen Sportunterricht kaum ermöglicht. Defekte Sportgeräte müssen zeitnah ersetzt und regelmäßige Wartungen sichergestellt werden, damit sowohl Bestandsanlagen als auch Neubauten den Anforderungen eines zeitgemäßen Sportunterrichts gerecht werden.

Vor diesem Hintergrund fordert die Schülerschaft Wiesbadens:

  1. Mehr Begrünung auf Schulgeländen sowie wirksame Maßnahmen zum Hitzeschutz an allen Schulen.
  2. Vollständig funktionsfähige Heizungen in allen Gebäuden sowie ausreichende Belüftungssysteme gegen extreme Temperaturen im Sommer und Winter.
  3. Saubere und intakte Toilettenanlagen sowie eine verlässliche Bereitstellung von Hygieneprodukten.
  4. Modernisierung und Instandhaltung der Ausstattung: Reparatur oder Austausch alter Möbel sowie eine vollständige Ausstattung von Fachräumen.
  5. Sanierung und Modernisierung bestehender Sporthallen, inklusive zeitnahem Ersatz defekter Geräte und regelmäßiger Wartung.